CDU im Dialog: Kommunales MVZ in Katzenelnbogen

Eine lebendige Gesellschaft lebt vom regen Austausch miteinander. Aus diesem Grund hat die CDU-Kreistagsfraktion in 2014 „CDU im Dialog“ ins Leben gerufen, um auch außerhalb von Wahlkampfzeiten mit Bürgern und Vertretern verschiedener Institutionen ins Gespräch zu kommen. Vorsitzender Matthias Lammert (MdL) und die beiden Stellvertreter Günter Groß und Udo Rau luden diesmal nach Katzenelnbogen ein. Neue Wege zur hausärztlichen Versorgung standen im Mittelpunkt der „CDU im Dialog“-Veranstaltung. CDU-Kreis und Fraktionsvorsitzender Matthias Lammert, (MdL) begrüßte neben den Referenten Stadtbürgermeister Horst Klöppel und gab einen kurzen Einblick aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion in das Thema der hausärztlichen Versorgung, das seit Jahren immer wieder in der Politik thematisiert wird.
Dialog Jan 17
Hinten links stehend: Markus Grote, ärztlicher Leiter des MVZ. Daneben die Fraktionsspitze der CDU Kreistagsfraktion mit Udo Rau, Matthias Lammert und Günter Groß.
Bürgermeister Harald Gemmer ging auf die geschichtliche Entwicklung des Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ein und erläuterte, warum dieses Aufgabenfeld so besetzt wurde: Schon 2012 sei der Einrich im Atlas der Kassenärztlichen Vereinigung als roter Fleck dargestellt worden, das für die Verbandsgemeinde bedeutete, handeln zu müssen. Gemmer erklärte, umfangreiche Recherchen angestellt und gründliche Rechtsberatung in Anspruch genommen zu haben. Die Beratung durch ein Anwaltsbüro machte deutlich, dass eine völlig neue Strategie notwendig wird. Die Möglichkeit der Trägerschaft durch die Kommune sei zum damaligen Zeitpunkt noch ausgeschlossen gewesen. Dies habe sich durch die Änderung des Sozialgesetzbuches im Jahr 2015 und aus dem Koalitionsvertrag der Parteien auf Bundesebene ergeben. Die Ortsgemeinden wurden befragt, es gab eine einmütige Zustimmung. Harald Gemmer lobte die Unterstützung des Gesundheitsamtes des Rhein-Lahn-Kreises und die Schwierigkeiten, die zunächst mit der Kommunalaufsicht durch das Problem der Haftung der Kommune aus dem Weg geräumt werden mussten. „Eine selbstschuldnerische Bürgschaft in unbegrenzter Höhe – das spielt die ADD nicht mit“, so der Bürgermeister. Die betriebswirtschaftliche Sicht beleuchtete Matthias Meister – Geschäftsführer des MVZ. Er vermittelte den Besuchern einen Blick auf die gesetzliche Ebene, die Bedeutung für die kommunale Infrastruktur, aber auch die Herausforderungen, die mit der Bildung eines solchen Konstrukts zusammenhängen. So gäbe es ja durchaus Gründe vor allem für Ärzte, die für die Annahme anderer Stellen als die einer Hausarztstelle im ländlichen Raum sprächen. Der Verbandsgemeinderat beschloss – weil es keine andere Möglichkeit gab -  eine Anstalt des öffentlichen Rechtes „Gesundheitszentrum im Einrich“ zu gründen. Zum Vorstand zählt neben Hans-Joachim Schaefer und Matthias Meister Markus Grote, der Leitende Arzt des MVZ. Dem Verwaltungsrat steht Bürgermeister Gemmer vor, er ist paritätisch von Mitgliedern der Fraktionen besetzt, analog der Ausschussbesetzung in der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen. Markus Grote stellte sich als ärztlicher Leiter vor und erläuterte, dass das MVZ zurzeit mit zweieinhalb Stellen besetzt ist. Er und Rainer Schröter arbeiten ganztags. Dr. Anne Herrig besetzt eine halbe Stelle. Ab 1. März komme ein junger Kollege aus dem Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz hinzu. Weiter eine Krankenschwester, die eine erfahrene, hoch qualifizierte medizinische Fachangestellte sei. Sie unterstütze die Hausarztpraxis. Die Praxis in den neuen Räumen versorge mehr als 3000 Patienten – 500 seien bis Ende 2016 dazugekommen – sowie die Bewohner von zwei Seniorenheimen. „Wir sind auf Expansionskurs – und die Zahlen geben das auch her“, so Markus Grote. Elf Medizinisch-Technische Assistentinnen arbeiteten hier und vier Arzthelferinnen. Im Winter besuchen täglich 250 bis 300 Patienten die Einrichtung. An der Organisation werde noch gearbeitet. Ziel sei es, zu vermeiden, dass Patienten mit einem Termin längere Wartezeiten in der Praxis auf sich nehmen müssen. Die Frage aus dem Besucherkreis, ob eine Aufstockung noch möglich sei, bejahte der ärztliche Leiter. Von Anfang an waren Bestrebungen im Gange, Fachärzte nach Katzenelnbogen zu holen. Zur Frage von Marcel Willig, wie sich die Fusion zwischen den Verbandsgemeinden Katzenelnbogen und Hahnstätten auf die Versorgungszentren auswirke, wurde bestätigt, dass jede Verbandsgemeinde Grundzentrum bleibe. Es sei nicht Aufgabe der Kommune, die Stellung des Allgemeinmediziners aufzuwerten. Dafür liege die Verantwortung bei den Verantwortlichen in der Politik und den Gesetzgebern ergänzte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde und stv. CDU-Fraktionsvorsitzende Udo Rau. In seinem Schlusswort dankte Günter Groß den Referenten für ihre Stellungnahmen und wies abschließend darauf hin, dass auch das kommunale MVZ nicht nur einen sehr wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung sondern auch ein Bestandteil der funktionierenden Infrastruktur einer Gemeinde darstelle.