"CDU im Dialog" im GV Nastätten

Letztlich ging es um die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Wer hier bestehen will, muss sich schon etwas Kluges einfallen lassen. Wohl fünf Dutzend Gäste waren auf den „Birkenhof“ der Familie Zellmann gekommen, um an Ort und Stelle von Fachleuten zu erfahren, wie man hier einen mittelgroßen Betrieb langfristig zu sichern versucht. Eingeladen hatte der CDU-Kreisverband im Rahmen seiner monatlichen Veranstaltungsreihe „CDU im Dialog“.

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Kreisvorsitzender Matthias Lammert MdL zeigte sich positiv überrascht davon, wie viele „aktive Milchtrinker“ es doch gibt. Dr. Thorsten Zellmann habe seinen „Birkenhof“ um eine kleine Molkerei bereichert und beliefere Märkte mit seiner abgepackten Frischmilch. Lammert begrüßte Ortsbürgermeisterin Carmen Hartung und Verbandsbürgermeister Jens Güllering, der Lothar Bindczeck für die Organisation des Treffens dankte. Der Begriff „regionale Vermarktung“ sei zwar nicht ganz klar definiert, doch viel bekannter als „bio“ oder „nachhaltig“. Der promovierte Agrarwissenschaftler und Diplomingenieur kam von zwei Geburten im Stall. Er sei Landwirt in vierter Generation in einem kleineren Betrieb mit 70 Milchkühen und 60 Jungtieren. Das Russlandembargo habe die Molkereien hart getroffen und die Milchpreise für den Erzeuger in den Keller getrieben. So habe der Betrieb eine Nische finden müssen und für eine halbe Million Euro auf 42 Quadratmetern eine Hofmolkerei, die – einmalig in der Region - die erzeugte Milch pasteurisiert, homogenisiert und fertig verpackt. Mit dieser „Endlich Hof Milch“ beliefert Zellmann seit einigen Monaten rund 80 Rewe-Märkte direkt über das Zentrallager und erzielt dabei Milchpreise, die ihm eine Großmolkerei nicht bieten kann. Der Nassauer Rewe-Kaufmann Ulrich Pebler ergänzte diese Ausführungen. Er selbst bemühe sich nach Kräften um die Vermarktung regionaler Produkte und unterstütze lokale Direktvermarkter. Leider haben Behörden immer wieder das Projekt verzögert. Als Ko-Referent zollte Kreisvorsitzender Horst Klöppel vom Bauern- und Winzerverband dem Projekt „ganz große Hochachtung“. Zellmann habe viel gewagt und eine erfolgversprechende Nische gefunden. Bei einem Rundgang durch den Betrieb sah man etwas veraltete, jedoch durch LED-Strahler, Gummimatten und ähnliches behaglich eingerichtete Ställe mit modernsten Maschinen für die frei laufenden Tiere. Die Hofmolkerei sei auch eine Wertschöpfung für die Region, weil viele heimische Zulieferer und Handwerker Aufträge erhielten. Im Gespräch war zu erfahren, wie gut die Hofmilch beim Endverbraucher ankommt. Rewe habe neue Kunden gewonnen, weil keine andere Kette diese Milch anbieten könne. Anschließend zeigte Zellmann ein Video von dem Weg der Milch in die Verpackung und bis ins Zentrallager. „Lokal schlägt bio“ war seine Meinung. Leider arbeite die Landwirtschaft nicht immer kundenorientiert. Über mögliche Nischen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bis der stellvertretende CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Günther Groß in seinem Schlusswort dankte und beim Probieren der Hofmilch einen Toast ausbrachte: „Zum Wohl mit sehr leckerer Milch!“
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